Geschichte

Adalbert von der Recke

Adalbert von der Recke / Volmerstein wurde 1791 geboren. Während der napoleonischen Kriege waren ihm die vielen streunenden und bettelnden Kinder der Region aufgefallen, und er nahm schon 1816 einige von ihnen in das Schloss seines Vaters auf. Am Abend des 19. Nov. 1819 zog von der Recke mit drei Kindern, die er schon länger versorgt hatte, feierlich in die Räume der ehemaligen Freischule.

Ein Jahr später waren es schon 49 Kinder. Als das Haus in Overdyck zu klein wurde, erwarb von der Recke das Düsselthaler Trapistenkloster, um dort weitere Waisen, Verbrecher-, Landstraßenkinder zu retten. Von der Recke zog mit den älteren Jungen 1822 nach Düsselthal und ließ 24 jüngere unter der Aufsicht seines Vaters in Overdyck zurück. Bis zum Jahr 1893 blieben beide Anstalten unter einer Leitung. Vom Jahre 1816 bis Ende 1845 wurden in den Rettungsanstalten zu Overdyck und Düsselthal 713 Knaben und 196 Mädchen aufgenommen.

In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts war Overdyck die einzige Erziehungsanstalt Westfalens, die vagabundierende Kinder aufnahm.

Gebäude Overdyck

Kinder und Jugendliche kamen Mitte des 19. Jahrhunderts aus strafrechtlichen Gründen oder wegen Verwahrlosung und Streunens in Erziehungsheime. Die Armenkommission brachte auch auf Antrag der Eltern oder Vormünder schwierige Kinder unter.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Anstaltserziehung bestimmt durch die Auffassung, dass den gefallenen Kindern durch Gebet, Zucht und Ordnung, vor allem aber durch Arbeit wieder auf den rechten Weg zu helfen sei. So waren die ersten Erzieher vielfach Handwerker, die meist ohne jede pädagogische Vorbildung in den Anstalten eingesetzt wurden. In Overdyck wurden nur schulpflichtige Kinder aufgenommen, die in der heimeigenen Schule unterrichtet wurden und daneben landwirtschaftliche Arbeiten verrichteten.

Es war nicht ungewöhnlich, dass in Overdyck manchmal über 100 Kinder zu versorgen waren. Entstehende Versorgungsschwierigkeiten konnten nur mit Hilfe der Stadt Bochum gelöst werden. Die Erträge der heimeigenen Landwirtschaft mussten teilweise veräußert werden, damit wichtige Anschaffungen getätigt werden konnten.

Altes Foto einer Gruppe Kinder in Overdyck

Overdyck musste 1933 die heimeigene Schule schließen. In öffentlichen Schulen sollte die entsprechende politische Bildung gesichert werden. Die Kinder wurden in den folgenden Jahren zum Teil einfach aus dem Heim heraus in bestimmten Familien untergebracht, um nach den Lehren der Nationalsozialisten erzogen zu werden.

66 Kinder Overdycks wurden am 23.08.1943 nach Pommern evakuiert und kehrten erst im Mai 1946 zurück. Overdyck arbeitete noch bis weit in die 60iger Jahre ausschließlich mit schulpflichtigen Kindern. Die Kinder wechselten in andere Einrichtungen, sobald sie zu arbeiten begannen. In den 70iger Jahren gab es dann auch Jugendliche, die ihre Ausbildung auf dem freien Arbeitsmarkt absolvierten und ihre Heimat in Overdyck behielten.

Die stärkere Öffnung der Heime nach außen war eine war eine Konsequenz der Skandale der 50er- und 60er- sowie den Heimkampagnen der 70er-Jahre. So wurde z.B. 1975 der heimeigene Kindergarten in Overdyck geschlossen, damit die Kinder in den umliegenden öffentlichen Kindergärten integriert werden konnten. Großheime wurden differenziert oder durch Kleinheime und Außenwohngruppen ergänzt. So ist Overdyck heute eine dezentrale Einrichtung.