Leitbild

Die Ev. Stiftung Overdyck ist einer christlichen Tradition seit der Begründung der Stiftung durch den Grafen Adalbert von der Recke verpflichtet. Heute arbeiten bei uns Menschen mit sehr unterschiedlichen Glaubensprägungen, Gotteserfahrungen und Gottesbildern. Dies trifft gleichermaßen auf die Kinder und Jugendlichen zu, die wir betreuen.

Wir verstehen dies als ein erfreuliches Merkmal religiöser Vielfalt. Unser evangelisches Profil entsteht für uns weniger durch einheitliches Verständnis als vielmehr durch einen lebendigen Diskurs der Menschen in unserer Einrichtung. Eines unserer Ziele ist es, die Sprachfähigkeit über religiöse Erfahrungen und den Glauben zu fördern und zu stärken. Fragen des Glaubens gehören nach unserer Auffassung nicht in Sondersituationen, sondern in das alltägliche Handeln. Dies beinhaltet, Begrenztheiten zu akzeptieren und gleichzeitig das Ringen um den eigenen Weg. In der Pädagogik ist die Gestaltung von Beziehungen von besonderer Bedeutung. Die von uns betreuten Kinder und Jugendlichen sollen die Möglichkeit haben, Erwachsene als verlässliche Beziehungspartner zu erleben, um auf diesem Wege korrigierende Neuerfahrungen zu machen.

Für die Pädagogen bedeutet dies auch, die Spannung zwischen Nähe und Distanz kontinuierlich zu reflektieren und trotz aller Vertrautheit und Nähe die Beziehungen professionell zu gestalten.

Mit einer differenzierten Angebotsstruktur wollen wir - orientiert an den unterschiedlichen Bedürfnissen der Einzelnen - Hilfeformen individuell gestalten. Zu dieser fachlichen Arbeit gehört neben der Entwicklung neuer Lebensfelder auch die Einbeziehung und Gestaltung der lebensgeschichtlich gewachsenen Bezugssysteme unserer Kinder und Jugendlichen.

Entsprechend ihrer Präsenz in der Gesamtbevölkerung werden in unserer Einrichtung Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Kulturen und Nationalitäten aufgenommen.

Die wechselseitigen Anregungen aber auch Spannungen der jeweiligen kulturellen Hintergründe sowohl zwischen den Kindern und Jugendlichen als auch zwischen Jugendlichen und MitarbeiterInnen gilt es in der Arbeit zu beachten, d. h. Besonderheiten z. B. in Fragen der Religion, der Ernährung und eine notwendige muttersprachliche Verständigung angemessen zu berücksichtigen.

Im Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern/Jugendlichen ist das Machtgefälle von großer Bedeutung. Wir sind uns der besonderen Verantwortung bewusst, die damit verbunden ist.

Dieses Bewusstsein beinhaltet das Wissen um die möglichen Gefahren des Machtmißbrauchs ebenso wie den wichtigen Schutzaspekt gegenüber dem Schwächeren. Kinder und Jugendliche benötigen die Erwachsenen gerade auch deshalb, damit diese ihnen einen klaren Rahmen, Halt und Orientierung geben. Die dazu oft notwendigen Entscheidungen müssen plausibel sein, d. h. nachvollziehbar und durch die PädagogInnen begründbar.

Neben der Notwendigkeit, klare Strukturen und die damit verbundene Orientierung zu schaffen, halten wir es für unverzichtbar, mit den Kindern und Jugendlichen in einen kontinuierlichen Prozess des Aushandelns und Verhandelns und zur gemeinsamen Vereinbarung von Zielen zu kommen. Dies ist nur dann möglich, wenn wir sie als Menschen mit einer eigenen Geschichte, eigenen Wünschen, Vorstellungen und Plänen für ihr weiteres Leben ernst nehmen und sie nicht zu Objekten unseres pädagogischen Handelns werden.