Qualitätsentwicklung

Da in der Heimerziehung kaum verbindliche, schriftlich formulierte Verhaltensregeln unter Beachtung fachlicher Standards vorliegen, halten wir es als Einrichtung für einen wichtigen Schritt, diese Qualitätsstandards unter Berücksichtigung nachvollziehbarer Qualitätsziele zu formulieren. Diese Standards werden in einem einrichtungsinternen Handbuch dargestellt. Das Handbuch ist dabei in seiner Grundstruktur 1997 durch ein Projekt unter Leitung von Herrn Prof. Roderich Kulbach und unter Teilnahme einiger StudentInnen der Fachhochschule Bochum und der Mitarbeiter der Ev. Stiftung Overdycks entstanden.

In einem zweiten Schritt wurde eine einrichtungsinterne Arbeitsgruppe „Qualitätsentwicklung“ zur Weiterentwicklung des Qualitätshandbuches gegründet.

In der Arbeitsgruppe haben wir einerseits die schon während des Projektes formulierten Qualitätsaspekte überprüft und ergänzt, andererseits uns aber insbesondere um die Umsetzung der Landesrahmenvereinbarungen (www.lwl.org) zur Qualitätsentwicklung bemüht. Diese allgemeine Qualitätsentwicklungsvereinbarung gibt vor, Schlüsselprozesse einer Einrichtung näher zu beschreiben und diese vor dem Hintergrund von Zielen (Wertmaßstäben) zu überprüfen. Wir haben uns entschieden, in diesem Handbuch insbesondere die Schlüsselprozesse Aufnahmeverfahren, Hilfeplanverfahren und Elternarbeit detailliert zu beschreiben. Dabei bemühten wir uns um Indikatoren für die Umsetzung der von uns gewählten Wertmaßstäbe (Wertschätzung und Beteiligung der Herkunftsfamilie, Entwicklung der Eigenverantwortung und Gemeinschaftsfähigkeit, Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, Parteilichkeit für Kinder und Jugendliche, Verpflichtung zur Kooperation mit anderen am Hilfeprozess beteiligten Institutionen und Personen, Einbeziehung der biographisch gewachsenen und Entwicklung neuer Lebensfelder, Berücksichtigung und Förderung der Fähigkeiten des Einzelnen / individuelle Hilfegestaltung).

Nach Fertigstellung wurde das Qualitätshandbuch 1999 an einem Informationstag allen stationären Wohngruppen vorgestellt und die Umsetzung der Arbeitsergebnisse verbindlich vereinbart. Dazu wurde ein/e “Qualitätsbeauftragte/r” in jedem Arbeitsbereich benannt, der die Umsetzung zu kontrollieren hat.

Seitdem werden einmal im Jahr die Inhalte des Qualitätshandbuches mit den Qualitätsbeauftragten der verschiedenen Arbeitsbereiche überprüft und weiter fortgeschrieben. Damit wird sicher gestellt, dass die vereinbarten Qualitätsstandards zu keinem starren Korsett werden, sondern „gelebter pädagogischer Alltag“ bleiben. Insofern ist die Verschriftlichung stets als ein vorläufiges Arbeitsergebnis zu verstehen. Da wir die Qualitätsentwicklung als einen kontinuierlichen Prozess verstehen, der nicht allein einrichtungsintern geführt werden kann, sondern auch mit dem Hauptkostenträger, dem Jugendamt Bochum und anderen Bochumer Jugendhilfeeinrichtungen rückgekoppelt werden muss, beteiligen wir uns aktiv an der Durchführung der seit dem Jahr 2000 jährlich stattfindenden örtlich durchgeführten Fachtage zu unterschiedlichen Qualitätsthemen.

Im Jahr 2013 wurde das Qualitätshandbuch Overdycks in ein EDV-gestütztes Programm eingearbeitet, so dass heute mit einer Suchfunktion alle wesentlichen Themen schnell aufgerufen werden können. Auch alle in der Einrichtung genutzten Vordrucke sind darüber auszudrucken, so dass die Aktualität für den Nutzer jederzeit garantiert ist.